KRONE Denkfabrik

Wie kann man den Transport nachhaltiger gestalten?

Verkehr benötigt Fläche und verbraucht Energie. In Deutschland sind das zum Beispiel 25% unseres gesamten Primärenergie-Verbrauchs. Allerdings fallen davon wiederum 70% auf den Personenverkehr und nur 30% auf den Transportverkehr.

Zukünftig werden also alternative Kraftstoffe und Energieträger, immer vor dem Hintergrund ihrer ökonomischen wie ökologischen Folgen betrachtet werden müssen. Das gilt in gleichem Maße aber auch für alle Transportlösungen, die die Effizienz des Transports verbessern. So zum Beispiel die smarte Verknüpfung von Laderaum- und Frachterkennung mit digitalen Frachtenbörsen, um ungenutzten Frachtraum während einer Fahrt zu minimieren.

Berit Börke
Berit Börke

Vorstand Vertrieb
TX Logistik AG

Ersetzen Drohnen zukünftig den klassischen LKW Transport?

Nein, VOLLSTÄNDIG wird der klassische LKW Transport auf absehbare Zeit nicht durch Drohnen ersetzt werden können. Gerade bei schweren, voluminösen Gütern sind LKW in puncto Wirtschaftlichkeit und Flexibilität nicht zu schlagen.

Richtig ist aber, dass Drohnen einen starken Einfluss auf das Transportwesen im Bereich KEP haben werden. Leichte, kompakte Güter und schwer zu erreichende Destinationen sind prädestiniert für den straßenungebundenen Drohneneinsatz. Das haben nicht zu Letzt die Drohnenprojekte der Deutschen Post DHL gezeigt.

Aber selbst schwere See-Container könnten in Zukunft durch Schwerlast-Drohnen in einem überschaubaren Transportgebiet befördert werden, wie das Pilotprojekt des Hamburger Hafens und des Fraunhofer Instituts zeigen.

Axel Plaß
Axel Plaß

Geschäftsführender Gesellschafter
Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG

Vorsitzender
DSLV-Arbeitskreises Schienengüterverkehr / Kombinierter Verkehr

Wird Blockchain die Logistik revolutionieren?

Sie tut es bereits in ersten Ansätzen. So haben IBM und die Reederei Maersk bei der Verschiffung von Containern aus Kenia, Kalifornien und Kolumbien nach Rotterdam erstmals alle notwendigen Dokumente durch Blockchains erfolgreich ersetzt. Mehr als 200 Einzelvorgänge konnten dadurch ersetzt werden und die Bearbeitungszeit drastisch verringern.

Blockchain-Technologie kann perfekt mit dem Warentracking (z.B. über RFID) verbunden werden und zeichnet damit alle Warenbewegungen lückenlos und fälschungssicher auf. Blockchains sind aber auch eine wichtiger Bestandteil der Anticipatory Logistics, da sie auf Datenbasis quasi automatisch sichere Vertragsbeziehungen zwischen den Beteiligten einer Lieferkette erstellen können. Wichtig für automatisierte Frachtenbörsen.

Allerdings benötigt es für eine umfassende Blockchain-Integration aller Logistik-Prozesse einer enormen Rechenkapazität, die zur Zeit noch nicht gegeben ist.

Anthony Wandt
Anthony Wandt

Geschäftsführender Gesellschafter
Wandt Spedition Transportberatung GmbH

Was kommt nach der Elektromobilität?

Zum einen fossile Kraftstoffe, die eine höhere Energieeffizienz und damit einen niedrigeren CO2 Fußabdruck vereinen, allen voran CNG (komprimiertes Erdgas) und LNG (flüssiges Erdgas). Zum anderen Kraftstoffe, die keinen oder fast keinen CO2-Ausstoss mehr haben, also Wasserstoff und die Brennstoffzelle. Für den Brennstoffzellen-Antrieb muss der Wasserstoff allerdings erst durch Elektrolyse gewonnen werden und benötigt viel Energie, die nachhaltig nur aus regenerativen Energiequellen entstehen können. 

Oliver Detje
Oliver Detje

Verlagsleiter
DVV Media Group GmbH

Welchen Einfluss wird Artificial Intelligence (AI) auf die Transportindustrie haben?

AI oder KI wird gemäß der Studie von IBM und DHL einen großen Einfluss auf die Transportindustrie haben: Und hat sie bereits heute in vielen Sprachassistenten-gesteuerten Apps.

Laderaumerkennung und Vernetzung mit digitalen Frachtenbörsen ist eine weitere Anwendung der KI. Ebenso vorausplanende Wartungs- und Servicedienste an Trailern oder automatisierte, auf Produktionsdaten basierte Frachtenbuchungen. Ferner ist auch das Autonome Fahren ohne künstliche Intelligenz nicht denkbar.

Prof. Dr. Christian Kille
Prof. Dr. Christian Kille

Professor für Handelslogistik
Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Wie vernetzt ist die Transportbranche von morgen?

Die Transportbranche gehört zu den Industrien, die schon jetzt sehr weitreichend die Chancen der Digitalisierung ergriffen hat. Beim Digitalisierungsindex des Mittelstands erreicht die Transportbranchen einen Wert von 61 und liegt deutlich über dem Durchschnittswert aller Mittelstandsbranchen von 55.

Digitale Fahrzeug- und Sendungsverfolgung über Portale und Apps, Sensoren die jederzeit Information über den Zustands des Fahrzeugs oder der Ware geben, aber auch die Digitalisierung von Dispositionsprozessen gehören heute schon zum Standard. Und es wird dabei ja nicht stehen geblieben, wie zum Beispiel die Verknüpfung von Frachtraumerkennung und digitaler Frachtenbörse zeigt.

Frederik Bohn
Frederik Bohn

Corporate Partnership Manager
Plug and Play Germany GmbH

Maximale Effizienz durch Anticipatory Logistics?

Auf jeden Fall erreicht man mit Anticipatory Logistics, genauso wie mit der ähnlich konzipierten Predictive Maintenance, eine deutlich Effizienzerhöhung in der Logistik.

Vorausschauende Logistikplanung auf Basis von einer Vielzahl von Logistikdaten und Künstlicher Intelligenz kann die Supply Chain- und Logistikprozesse deutlich beschleunigen und Lagerhaltung auf das Notwendige reduzieren. Besonders dann, wenn die zugrundeliegenden Daten über das IoT in Echzeit gewonnen und analysiert werden können.

Sallar Faridi
Sallar Faridi

Corporate Partnership Manager
Plug and Play Germany GmbH

Autonomes Fahren, die Lösung für den Fahrermangel?!

Auch für 2019 ist weit und breit kein einziger Hersteller in Sicht, der einen automatisch bremsenden Abbiegeassistenten anbietet. Ohne so ein System sind wir jedoch vom autonomen Fahren noch Lichtjahre entfernt. Und überdies: Der Lkw-Fahrer fährt ja nicht nur, er ist Begleiter der ihm anvertrauten Güter und Kommunikator mit den Kunden, er ist verantwortlich für die Übergabe an den Empfänger und die Einhaltung aller Verkehrssicherheitsvorschriften, er bedient die digitalen Kommunikationsgeräte und - last but not least - ist nur ein Mensch in der Lage, bei von der Technik nicht vorhergesehenen Ereignissen einzugreifen. Deshalb wird der Lkw-Fahrer – auch wenn er in Zukunft vielleicht Transport-Manager heißen wird – auf lange Sicht hin nicht zu ersetzen sein.

Durch die zunehmende Digitalisierung wird sich allerdings das Tätigkeitsbild im Arbeitsalltag verändern und möglicherweise werden irgendwann sogar längere Autobahnabschnitte teilautomatisiert zurückgelegt. Der Lkw-Fahrer der Zukunft heißt dann vielleicht Transport-Manager, aber hinter dem Steuer sitzen wird er immer noch – und nach wie vor einen unverzichtbaren Arbeitsplatz haben.

Wolfgang Thoma
Wolfgang Thoma

Geschäftsführender Gesellschafter
Spedition Ansorge GmbH & Co. KG